Ich wünsche Euch allen ein friedvolles, entspanntes und erfolgreiches neues Jahr 2018!

Wie habt Ihr die Sylvesternacht verbracht?

Ich habe Pferde gehütet…

Ich hab’ mich in den Paddock in die Nähe der Pferde gestellt und habe versucht Ruhe auszuschwitzen. Eine ganze Stunde lang. Entspannt ist anders. Seitdem ich das erste Mal bewusst wahrgenommen habe, was diese Ballerei mit den Tieren macht, leide ich mit. Und wünsche mir dabei, es möge möglichst schnell vorbei gehen…

In einer harmonischen Pferdeherde herrscht Ruhe. Eine unglaubliche Ruhe.

Hast Du diese Ruhe schon mal wahrgenommen? Diese Ruhe, die ein ausgeglichenes Pferd, eine ausgeglichene Herde ausstrahlt?


Viele Menschen kennen das gar nicht (mehr), können diese Ruhe nicht wahrnehmen. Der Kopf ist zu voll. Noch so viele wichtige Dinge zu tun, der Tag ist voll bis oben hin. Keine Zeit mal zu sich zu kommen, den Puls mal absichtlich runterzufahren. Der Stresspegel brummt ständig leise im Hintergrund mit.

Manchmal stelle ich mich völlig absichtslos in den Paddock zu den Pferden. Und lasse mich vollständig auf diese unglaublich schöne Ruhe ein. Schiebe alle Gedanken, alle Erwartungen weg. Beobachte sie. Versuche nur herauszufinden, welches Pferd gerade was braucht.

Pferde sind immer im Hier und Jetzt. Sie denken nicht an morgen und auch nicht an gestern.

Sie kennen keine Sorgen, keine ToDo-Listen und keinen Zeitdruck.

Pferde können uns Menschen wunderbar dabei helfen Ruhe zu finden!

Meistens suchen meine Pferde dann die Verbindung zu mir, auf ihre eigene Art und Weise. Sie betasten und beschnuppern und stupsen mich mit ihrer Nase und mit ihrer Oberlippe, so wie sie es untereinander tun, wenn sie spielen wollen. Sie tun das vorsichtig, respektvoll und ruhig, wollen aber Resonanz. Daraus entsteht ein Spiel, ein „Gespräch“. Fragen und Antworten. Mal fragt ein Pferd und ich antworte. Mal frage ich ein Pferd und es antwortet. Pferde kommunizieren über Körpersprache.

Jede Bewegung ist ein Satz.  Auch jede menschliche Bewegung ist ein Satz.

Es sind die Themen, um die es geht. Pferde haben nicht viele Themen, über die sie „reden“ wollen. Das wichtigste ist Sicherheit. Das Lieblingsthema von Pferden. Immer wieder wollen sie es wissen. Ob sie sich (immer noch) verlassen können. Jede Bewegung ist ein Satz.

Nach Erkenntnissen in der Kommunikationswissenschaft besteht menschliche Kommunikation zu ca. 7% aus Worten, ca. 38% macht der Tonfall aus. Der Rest ist Körpersprache. Also der grösste Teil. Folglich können wir nicht nicht kommunizieren. Versuch’ mal in der Kommunikation mit einem Menschen die Worte wegzulassen. Was bleibt dann übrig?

Angenehmes Beispiel: Du bist gerade frisch verliebt. Da brauchts nicht mehr viele Worte. Trotzdem jede Menge Kommunikation, oder?

Unangenehmes Beispiel: Du hast gerade Krach mit Deinem Partner und es ist Funkstille. Trotzdem jede Menge Kommunikation, wenn man sich begegnet, oder?

Es sind die Gefühle, die bleiben, wenn wir die Worte weglassen. Und das ist die Ebene, auf der Pferde kommunizieren können.

Es geht darum, welche Gefühle sind gerade präsent, und welche können oder wollen hergestellt werden.

Um ein bestimmtes Gefühl herstellen zu können braucht es eine Strategie.

Eine beliebte Strategie von Pferden, um die Sicherheitsfrage beantwortet zu bekommen, ist:   einfach mal die Grenze Deines Individualraums überschreiten. Deine Reaktion ist die Antwort auf die Frage des Pferdes.

Probier’s mal aus! Alleine mit Deinem freien Pferd. Es hat Dir sicherlich eine Menge zu erzählen.

Dein Pferd rempelt mehr als es stupst? Verteidige Deinen Individualraum!

Dein Pferd beschäftigt sich dann nicht mit Dir? Ist auch eine Aussage. Verschaff Dir Aufmerksamkeit! Immer wieder, auf möglichst kleiner Hilfenstufe.

Wie kannst Du Deinem Pferd Fragen stellen? So, wie Pferde es untereinander tun: Wegschicken/Einladen, Tempo erhöhen/verlangsamen…